Christian Maria Goebel

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Interview.

Wofür steht Christian Maria Goebel?

Für einen deutschen Schauspieler. Peng!

In welcher Tradition stehen Sie als Schauspieler?

Das amerikanische und französische Kino der 70er Jahre und die Arbeitsweise der Dogmafilmer. Mir geht es immer darum, sich auf einen Prozess tatsächlich einzulassen. Die 68er haben Verkrustungen aufgesprengt und die 70 er waren die Ernte. Das war für Kino aber auch für die bildende Kunst ein Glücksfall. Das gab es plötzlich Filme, die die Straße eingefangen haben. In der Zeit lag auch politisch Neues in der Luft.

Was ist für sie der Unterschied zwischen Film, Fernsehen, Theater und Performances?

Kino ist sorgfältiger als TV. Fernsehen ist besser bezahlt als Theater. Performance bisweilen interessanter als Theater. Doch im Theater gibt es seltene Moment des Glücks, diese trägt man dann für Monate und Jahre in sich.

Was ist für Sie ihre wichtigste Arbeit als Schauspieler gewesen?

Ach, was heißt wichtig? Jede Rolle sollte ernst genommen werden. Bleibende Erfahrungen waren Klaus Barbie (für das französische Fernsehen). Der Edgar in "King Lear", das waren große Kaliber.

Was waren die Schattenseiten?

Ich nenne diese Rollen Einwickelpapier-Rollen.

Will heißen?

Das sind Rollen die eine Funktion für den hastigen Autor erfüllen, sonst nichts. Sie haben keinen Anfang, keine Mitte und kein Ende. Es gibt bei ihnen keine Entwicklung, keine Transformation. Wenn der Autor das Bonbon ausgewickelt hat - z.B. der Verdächtige war es doch nicht - schmeißt er die Figur einfach weg. Sie hat dann ihren mechanischen Zweck erfüllt und Autoren oder Redakteure interessieren sich nicht mehr dafür. Das Papier fällt achtlos auf den Boden.

’’Wodurch zeichnet sich ein guter Schauspieler aus?’’

Zuerst durch Disziplin und sorgfältige Vorbereitung als Sockel, von dem aus er frei agieren kann. Dann kommt es darauf an, sich selber in Frage stellen zu können, Mut zu haben, fliegen zu lernen. Schauspielerei hat vor allem mit Disziplin und Mut zu tun. Die Disziplin nicht den leichtesten Weg zu gehen und den Mut sich dem Ungewöhnlichen auszusetzten. Es hängt auch viel daran, dass man die eignen Ansätze verteidigen kann.

Was ist für Sie bei einem Regisseur wichtig?

Der steht ja oft selbst gewaltig unter Druck - von Sendern oder Produzenten. Er sollte seine Schauspieler vor diesem Druck abschirmen können und es sich nicht nehmen lassen neue Wege zu gehen und risikobereit zu sein. Das ist schon viel verlangt. Wichtig ist, dass er sich wirklich für seinen Geschichte, seine Figuren und seine Schauspieler interessiert, dass er das Bildhafte und das Schauspielerische zusammenbringen kann. Ein Regisseur hat für eine begrenzte Zeit viel Macht am Set. Die Besten erschaffen dabei eine fein austarierte Balance aus Vertrauen und Autorität. Die Schlechtesten sind nur Setverwalter oder eitle Despoten.

Gibt es etwas, was sie in einem Film nicht machen würden?

Eigentlich nicht. (Lacht) Solange es nicht rausgeschnitten wird. Es kommt doch immer darauf an, ob das Wagnis, das Risiko in ein erzählerisches und ästhetisches Konzept eingebunden ist und dort eine Bedeutung hat.

Aber absolut gibt es für Sie ja keine Einschränkungen? Wie steht es mit Nacktheit?

Ich würde auch nackt über den Alexanderplatz gehen, wenn das Teil eines stimmigen Konzeptes ist oder einem Nazi den Kehlkopf durchbeißen.

Sie sammeln auch Kunst, gehen viel in Ausstellungen und Museen? Was ist Kunst für Sie?

Kunst kann man naiv sehen, sich von der Kreativität anderer berieseln lassen, die Ideen bestaunen. Andererseits ist Kunst ein höchst brutaler Markt. Von Künstlern kann man Strategien des Überlebens lernen.

Wieso Überleben? Was heißt das?

Kunst ist oft das Ergebnis von Überlebensstrategien von Künstlern. Kunst schafft Freiräume und macht das Unwahrscheinliche wahrscheinlich.

Welches Künstler sind für Sie wichtig?

Jeff Wall, Bruce Naumann, Mathew Barney, Cranach und vor allem Jan-Peter E.R. Sonntag.

Was sind Ihre Inspirationsquellen?

Literatur, eigene Beobachtungen in der sogenanten Realität und Kunst.

Vorbilder?

Nabokow, der Schauspieler Edward Norton, Bob Dylan (eher sein Leben als seine Musik, wenn Sie es genau wissen wollen.)

Sie haben mit Stars wie Linda de Mol, Christian Berkel und Ulrich Tukur gedreht. Ist das etwas besonderes für Sie?

Je besser die Partner sind, desto sicherer ist man am Set. Die Arbeit ist dann entspannter. Obwohl nicht alle, die bekannt sind automatisch gute Schauspieler sind.

Gibt es Talente, die sie bisher nicht zeigen konnten?

Den Ruhrpott-Malocher, den kleinen Mann.

An welchen Projekten arbeiten Sie gegenwärtig?

Ich habe gerade einen Verein mitbegründet. Da geht es um die Frage, wie eine andere Welt möglich ist. Und ich schreibe an einem Drehbuch und plane ein paar Projekte. Weiter ziehe ich zwei Jungs groß. So groß wie möglich